Rundreise von Juana Kuante in Deutschland

El tentempié e.V. veranstaltete im Jahr 2014 die Rundreise von Juana Kuante, Stammesführerin der Mapuche Gemeinde Pitruico durch unterschiedliche Städte Deutschlands.


Programm

Anreise von Juana am 21.10.2014

Von 21. Oktober bis 11. November 2014 wurden Informationsveranstaltungen in Nürnberg, Coburg, Erlangen, München und Berlin durchgeführt.

21.10.2014 Nürnberg, El tentempié e.V. (Diskussion mit Mitgliedern des Vereines)

22.10.2014 Nürnberg, Grünes Basislager

23.10.2014 Coburg, Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit, Hochschule Coburg

24.10.2014 Erlangen, Lese Café Anständig Essen.

4.11.2014 München, Einewelt Haus.

5.11.2014 Nürnberg, Südpunkt.

6.11.2014 Berlin, S.U.S.I. Frauenzentrum.

7.11.2014 Berlin, Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika e.V.

Bei allen Treffen wurde die filmische Dokumentation Heiliges Territorium vorgestellt, die die Bedeutung der Kultstätte Ngen Mapu Kintuante für das Volk der Mapuche williche genau erklärt.

Damit das Publikum die Dokumentation verstehen konnte, war er im Vorfeld 2-fach untertitelt worden. Die spanischen Untertitel eines chilenischen Freiwilligen hatten zwei Mitglieder des El Tentempie e.V. ins Deutsche übersetzt.

Anschließend erklärte Juana mit Hilfe von Bildern, um welche Art Land es sich handelt, wo es sich befindet, wie sich die Gemeinden organisiert haben um ihr zeremonielles Zentrum zu verteidigen.

Das Publikum wurde in die Weltanschauung der Mapuche eingeführt und konnte die Verbindung dieses Volkes zur Erde und zu allen Elementen, aus denen sie besteht, kennen lernen und den Unterschied zu seiner eigenen westlichen Lebensweise erfahren, die sich immer weiter von der Natur entfernt und diese nur mehr als eine Quelle von Resourcen begreift.

Außerdem stellten die Teilnehmer Fragen um sich über das Leben der Mapuche und die aktuellen Konflikte der Mapuche-Gemeinden mit dem chilenischen Staat zu informieren.

Neben diesen Veranstaltungen traf Juana Personen der öffentlichen Lebens wie Abgeordnete des Bundestages und des bayerischen Landtags sowie Vertreter zuständiger Organisationen wie das Menschenrechtsbüro Nürnberg.

Resonanz

Das Ziel der Reise war die Aufmerksamkeit der zivillen Gesellschaft und Menschenrechteneinrichtungen zu bekommen, um die Problematik der Mapuche Gemeinde am Fluss Pilmaiquén bekannt zu machen.

Diese Ziele wurden insoweit erreicht, als die Teilnehmer von unterschiedlichen Veranstaltungen starke Anteilnahme zeigten und direkt fragten, wie sie den Mapuche helfen könnten.

Auch deutsche Verwaltungen und Politik-Vertreter waren sehr aufgeschlossen, das geistliche und politische Oberhaupt ihrer indigenen Gemeinde offiziell zu empfangen.

Die für Menschenrechte zuständige Institutionen, wie die ILO und die UN, waren jedoch schwer anzusprechen: Obgleich frühzeitig, d.h. Monate im Voraus, der Kontakt durch Telefon und E-Mail gesucht wurde, kam der Kontakt tatsächlich erst durch eine bekannte Mittelsperson zu Stande. Der Zugang zum europäischen Parlament blieb uns verwehrt.

Gut 250 Personen waren auf den Veranstaltungen oder haben Juana persönlich kennen gelernt. Als Erfolg ist zu verbuchen, dass im Laufe des Projektes weitere kooperierende Institutionen, wie die Hochschule Coburg, der Ceclam e.V., der Lese Cafe e.V. und der FCDL e.V., gewonnen worden. Diese stellten zum Teil Räume zur Verfügung und nutzten eigene Netzwerke zu Bewerbung der Veranstaltungsreihe.

Bei den meisten Veransaltungen waren Vertreter kleinerer Medien aus den Bereichen Hörfunk, Printmedien und Online-Fernsehen anwesend, die hierüber auch berichteten oder Interviews mit der Vereinsvorsitzenden Pamela Flandez führten.

Die wichtigste Erfahrung war die Begegnung von unterschiedlichen Mitglieder der zivillen Gesellschaft Deutschlands mit Juana Cuante. Die Anliegen ihres Volkes beginnen Eingang in die Herzen der Europäer zu finden.

Die Informationskampagne über die Mapuche und ihre Anliegen sind jedoch noch zu intensivieren. Die gewonnenen Partnerunternehmen wollen regelmäßig in Videokonferenzen weiteren Kontakt mit Juana pflegen.

Hintergrundinformationen

Als Stammesführerin ist Lonko Juana Kuante politisches und spirituelles Oberhaupt der Mapuche-Gemeinschaft von Pitriuco, in der Nähe des Flusses Pilmaiquén, 900 km südlich von Santiago de Chile.

Die Mapuche-Gemeinschaften, die in den Gebieten entlang dieses Flusses leben, befinden sich in einem heftigen Konflikt, da das Stromversorgungsunternehmen Empresa Eléctrica Pilmaiquén S.A. den Bau mehrerer Stauseen plant, drei davon im Río Pilmaiquén.


Die Lonko Juana Kuante führt die Protestbewegung der Mapuches gegen den Bau der Stauseen des Flusses Pilmaquén an, der im September dieses Jahres beginnen soll. Das Gebiet, das seit Urzeiten von den Mapuche bewohnt wird, wurde bereits von dem Unternehmen besetzt. Uralte Bäume wurden gefällt und den Angehörigen der Gemeinschaft der Zugang zu ihrer Kultstätte verwehrt. Der Río Pilmaiquén ist als religiöser und zeremonieller Ort für die Mapuches von großer Bedeutung. Seit Urzeiten gilt er als "Wohnort" Kintuantes, Schutzgeist des Flusses, dieses Gebietes und seiner Bewohner. Für den Bau des Stausees würde ein 18 km² großes Gebiet überflutet werden, in dem sich auch die Kultstätte der Mapuche Williche, Ñgen Mapu Kintuante befindet. Aus diesem Grund ist der Bau ein offener Angriff auf die Religiosität der Mapuche und ihre Rituale und eine Verletzung ihres Kulturerbes.


Die Gemeinschaften wurden zu dem Bauvorhaben nicht befragt, was gegen die Konvention Nr. 169 über indigene und in Stämmen lebende Völker in unabhängigen Ländern der internationalen Arbeitsorganisation ILO der Vereinten Nationen verstößt.

Traditionelle und spirituelle Führungspersonen der Mapuche haben gegen den Verantwortlichen für den Bereich Wasser im Ministerium für öffentliche Arbeiten, der den Bau der Wasserkraftanlagen im Fluss Pilmaiquén genehmigt hatte, eine Klage eingereicht. Das Recht auf Freiheit zur Ausübung der verschiedenen Glaubensrichtungen ist in der chilenischen Verfassung verankert, wird im Falle der indigenen Volksgemeinschaften nicht geachtet, die an der Entfaltung ihrer Spiritualität gehindert werden.

Das Volk der Mapuche bewohnt nur noch sehr wenige Gebiete, ursprünglich betrug das Territorium der Mapuche etwa 31 Millionen Hektar, 1994 waren es nur noch knapp 300 Tausend Hektar die von ihnen bewohnt wurden. Die Kultur der Mapuche droht akut auszusterben. In dem bedrohten Gebiet ist eine sehr wichtige Kultstätte, die schon seit Uhrzeiten für rituelle Zeremonien genutzt wird, zu finden.


Die indigenen Völker der Welt zeigen uns seit jeher, dass ein Leben im Einklang mit der Natur möglich ist. Damit erscheinen sie uns hier in der westlichen Welt als echtes Vorbild im schonenden Umgang mit Ressourcen und eröffnen uns neue Perspektiven in der Umweltkrise. Der Bau des geplanten Staudamms würde nicht nur noch ein Territorium der Mapuche zerstören, darüber hinaus würden unermessliche Schätze an Artenvielfalt und das Ökosystem zerstört werden. Die Ureinwohner würden von dem Bau des Staudamms nicht profitieren, Nutznießer sind in erster Linie die Metropolen und v.a. die Industrie. Das urtümliche, alte Wissen geht zusehends verloren.

 

Juana Kuante

 

Lesekorrektur: Uli Jung und Silke Trienke

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