Indigene Welt

Die indigene Völker der Welt zeigen uns seit jeher, dass ein Leben im Einklang mit der Natur

möglich ist. Damit erscheinen sie uns als echtes Vorbild im schonenden Umgang mit Ressourcen und eröffnen uns neue Perspektiven in der Umweltkrise.


Indigene Welt am Beispiel der Mapuche

Etwa 10% der Bevölkerung Lateinamerikas ist indigener Abstammung. Sie zählen zu der am stärksten von Armut bedrohten Bevölkerungsgruppe. Die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen ihrer Territorien und die nur bedingte Achtung ihres Lebensraums entziehen vielen indigenen Lateinamerikanern bis heute die materiellen und kulturellen Existenzgrundlagen.

Das Volk der Mapuche existiert seit mehr als 15.000 Jahren und lebt in einem Gebiet im Süden Lateinamerikas, das immer noch von Chile und Argentinien besetzt ist. Bei der letzten Volkszählung in Chile haben mehr als eine Million Leute angegeben dem Volk der Mapuche anzugehören.

Das Wort "mapuche" setzt sich aus zwei Begriffen zusammen: "Mapu" (Erde, Territorium) und "che" (Menschen, Personen) sozusagen "Menschen der Erde". Die "Mapu" und die "Che" sind mit einander in einer reziproken Beziehung verbunden. Da die sozialen, ökonomischen, politischen und religiösen Praktiken nur dank der Existenz der "Mapu" möglich sind, sind die "Mapu" und die "Che" untrennbar. Genauso versteht sich das Konzept von "Mapu" nicht nur im engeren Sinn, das heißt nicht als fassbaren materiellen Raum, sondern wird auf alle Bereiche des Lebens im Universum angewendet: "Mapu" im kosmischen Sinn.



Der Fall Ñgen Mapu Kintuante

Der Fluss Pilmaiquén, ca. 900 km südlich von Santiago, ist seit langst vergessenen Zeiten der "Wohnort" Kintuantes und Kilen Wentrus, die Schutzgeister des Flusses, dieses Gebietes und dessen Bewohner. Dieser Geister reisen durch den Fluss und man bittet sie in Gebeten darum, dass die "Ñuke Mapu" (Mutter Erde) ihnen Nahrung spendet, sie schützt, wenn sie krank sind, den "Machi" (Heiler) Heilkräuter spendet. In Kintuante gibt es andere Orte, an denen sich die Energien der Ahnen und der Natur sammeln. Diese Orte nennt man "Renü". Dort gehen die Mapuche hin, um Weisheit zu erlangen. Kintuante ist daher ein religiöser und zeremonieller Ort, der eine große Bedeutung für die Weltvorstellung der Mapuche hat.

An diesem Ort, schon 1944, wurde das erste Wasserkraftwerk des Landes gebaut. Die Firma "Hidroeléctrica Pilmaiquen S.A." hat begonnen einen neuen Staudamm zu bauen, der 18 km² des Gebietes überschwemmen wird, das Teil des heiligen Ortes Kintuantes ist. Dadurch werden nicht nur Ackerflächen und Urwald überschwemmt, sondern auch ein heiliger Ort der Spiritualität der Mapuche zerstört. Der Historiker Martín Correa stellt fest, dass "das Verschwinden Kintuantes einen offenen Angriff auf die Religiosität der Mapuche und ihre Rituale konstituiert und ihr kulturelles Erbe verletzt".

Jedoch musste eine Umweltstudie vorgelegt werden, welche fälschlich bestätigt, dass "am geplanten Ort des Projekts keine von Sonderrechten geschützten Gemeinden leben", weshalb die "Comisión Nacional del Medioambiente" (in etwa: Umweltkommission) eine Baugenehmigung aushändigte.

Für die Mapuche, wie den lonko (Stammesführer) Rodelio Torres Chiuca, "Ñgen Mapu ist Kintuante ein sehr wichtiges Wesen unserer Spiritualität. Für uns ist die Konstruktion des Staudamms des Flusses so, als würde man einen Staudamm auf einer Kirche der Katholiken errichten".

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